Bankraub in der Wüste? Tyson Fury vs. Francis Ngannou
Warum kämpft der Schwergewichtsweltmeister im Boxen Tyson Fury gegen den ehemaligen Schwergewichtsweltmeister der UFC Francis Ngannou? Hinterfragen die einen kritisch. Nimm mein Geld und sag mir, wo ich den Kampf sehen kann, sagen die anderen. Lies in diesem Artikel, warum der Kampf so umstritten ist und wie du ihn in Deutschland anschauen kannst.
Wie kann man Tyson Fury vs. Francis Ngannou in Deutschland anschauen?
In Deutschland, Österreich und der Schweiz kann man den Kampf auf DAZN Pay-per-View streamen. Um 20 Uhr geht es mit der Undercard los und um ca. 23 Uhr beginnt der Hauptkampf. Du benötigst dazu einen regulären DAZN Account und musst dann den Kampf noch mal extra (Pay-per-View) bezahlen. Er kostet zusätzlich 14,99 €. DAZN hat in jüngster Vergangenheit erst die zusätzliche Pay-per-View (PPV) Funktion eingeführt.
Warum? Kurz gesagt, geht es darum, größere Stars im Boxsport anzulocken. Diese bekommen dann neben Ihrer fixen Gage auch einen Teil des PPV Geldes. Das erste Mal hat DAZN das PPV-Modell eingeführt, als Canelo Alvarez gekämpft hat. Dieser und viele andere Top-Boxer kämpfen nur, wenn sie einen Teil des PPV-Geldes bekommen.
Die Fakten zu Tyson Fury vs. Francis Ngannou
Der Boxkampf findet am 28.10.2023 in Riyadh, der Hauptstadt von Saudi-Arabien, statt. Das Event ist gleichzeitig der Startschuss zu der sogenannten Riyadh Season. Einem Sport- und Entertainmentfestival, das von Oktober 2023 bis März 2024 geht. Der Kampf zwischen Tyson Fury und Francis Ngannou ist ein professioneller Boxkampf, der über 10 Runden ausgetragen wird. Es wird aber nicht um den Weltmeisterschaftsgürtel von Tyson Fury gekämpft. Das heißt, auch wenn Francis Ngannou gewinnt, ist Fury immer noch Schwergewichtsweltmeister.
Der besagte Hauptkampf, also Tyson Fury gegen Francis Ngannou, wird gegen 23:00 Uhr MEZ starten. Davor gibt es eine beachtliche Undercard mit folgenden Kämpfen:
Fabio Wardley vs. David Adeleye
Joseph Parker vs. Simon Kean
Arslanbek Makhmudov vs. Junior Anthony Wright
Moses Itauma vs. Istvan Bernath
Carlos Takam vs. Martin Bakole
Jack McGann vs. Alcibiade Duran Galvan
Was wird einem verkauft?
Findet ein großer Boxkampf oder auch UFC-Kampf statt, gibt es immer eine Storyline, mit der der Kampf verkauft/vermarktet wird. Also der Grund, warum du den Kampf anschauen solltest.
In diesem Fall lautet die Überschrift: „Battle of the Baddest“. Das kommt daher, dass man den Schwergewichtsweltmeister traditionell den „Badest Man on the Planet“ nennt. Tyson Fury ist ein Schwergewichtsweltmeister im Boxen und Francis Ngannou war Schwergewichtsweltmeister der UFC. Heißt also grob übersetzt, die zwei heftigsten Typen der Welt kämpfen gegeneinander.
Auch liegt ein Fokus auf der Frage, welcher Sport besser ist, wenn der beste Boxer gegen den „besten“ MMA-Kämpfer antritt.
Dazu kommt, dass der berühmteste „Badest Man on the Planet“ Mike Tyson in den Kampf involviert ist. Er mischt als Trainer von Francis Ngannou mit. Ob er diesen tatsächlich jeden Tag intensiv trainiert, ist natürlich fraglich, aber es ist eine gute Geschichte. Denn wie wir wissen, ist Tyson Fury nach Mike Tyson benannt und dieser trainiert nun ausgerechnet seinen Gegner.
Auch wird Francis Ngannou als der Mann mit dem weltweit stärksten Schlag beworben. So hat damals schon Dana White, der Präsident der UFC wortwörtlich gesagt: „Francis Ngannou hält den Weltrekord für den härtesten Schlag. Sein Schlag ist so stark wie 96 PS, was so ist, wie wenn man von einem Ford Escort getroffen wird, der so schnell fährt, wie er nur kann. Heilige Scheiße!“
Was nicht stimmt, der Rekord ist weder offiziell im Guinness Buch der Rekorde noch in einem anderen Buch oder Dokument zu finden. Auch hat Francis nie selbst darüber gesprochen. Francis Ngannou ist aber auf jeden Fall unbestritten ein heavy Hitter.
Der Kampf wird natürlich auf allen Social-Media-Kanälen beworben, und der Haupt-Trailer für den Kampf ist echt beeindruckend gut geworden. Schau ihn dir an:
Und was bekommt man wirklich?
Man bekommt auf jeden Fall etwas, das es so in der Größenordnung schon lange nicht mehr gegeben hat. Das letzte Event dieser Art ist am 26. August 2017 über die Bühne gegangen. Damals haben einer der besten Boxer in Floyd Mayweather Jr. und UFC-Superstar Conor McGregor gegeneinander geboxt. In den ersten Runden dieses Kampfes konnte McGregor noch einigermaßen mithalten, bis Mayweather ihn in der 10. Runde ohne große Mühe K.O. geschlagen hat.
Dabei sind sich viele Experten einig, dass Floyd Mayweather den Kampf auch schon viel früher hätte beenden können.
Und die meisten Box-Experten sind sich einig, dass der Kampf Tyson Fury vs. Francis Ngannou ähnlich ablaufen wird. Das heißt, Ngannou wird lediglich eine winzige Chance zugestanden, er muss Fury früh mit einem harten Schlag erwischen und K.O. schlagen. Sollte er das nicht schaffen, wird Fury ein paar Runden mit ihm Boxen, bevor er ihn auf die Bretter schickt.
Also man bekommt wahrscheinlich einen sehr einseitigen Boxkampf, den Fury gewinnen wird, wann immer er ihn gewinnen will. Aber und da sind sich viele auch einig, hat Ngannou eine bessere Chance gegen Fury zu gewinnen, als McGregor damals gegen Mayweather hatte. Warum? Weil Francis Ngannou eine extrem hohe Schlagkraft hat und jeden Gegner auf die Bretter schicken könnten, wenn er ihn erwischt.
Ein Spektakel wird es allemal, von den Ringläufen über die Einlaufshow bis zu dem Kampf und was danach passiert. Was könnte danach passieren? Tyson Fury hat seinen nächsten Kampf angeblich schon unterschrieben. Und zwar wird er gegen Oleksandr Usyk kämpfen, um die Weltmeistergürtel zu vereinen. Oleksandr Usyk und Tyson Fury sind beide Weltmeister im Schwergewicht und teilen sich die Gürtel der verschiedenen Verbände auf. Wenn der Kampf stattfinden würde, gäbe es zum ersten Mal seit Lennox Lewis wieder einen Schwergewichtsweltmeister, der alle Gürtel innehat. Das wäre ein bedeutungsvolles und historisches Event im Boxsport.
Auf jeden Fall ist Usyk auch in Saudi-Arabien und schaut sich den Kampf live an. Es wird spekuliert, dass er nach selbigen dann in den Ring steigt und sich ein Wortgefecht mit Fury liefern wird, um den Kampf zu promoten. Vorausgesetzt es läuft alles nach Plan und Fury gewinnt.
Schau dir das Interview mit Francis Ngannou und Ariel Helwani an und höre was er selbst über den Kampf denkt:
Was sagen die Kampfsport-Fans?
Die Fan-Lager kann man ganz grob in drei Richtungen einteilen. Es gibt die neutralen Fans, die Box-Fans und die MMA-Fans.
Die ersteren freuen sich über das Spektakel und den ganzen Content, der ohne Ende auf allen Kanälen veröffentlicht wird.
Die Hardcore-Box-Fans fühlen sich beleidigt und sind enttäuscht, dass der Schwergewichtsweltmeister Tyson Fury nicht sofort oder schon lange gegen Usyk gekämpft hat. Für sie ist der Kampf ein Zirkus, der dem Boxsport nicht würdig ist. Sie sagen Sachen wie: „Da geht es doch nur ums Geld“. Für Sie ist es ein Bankraub in der Wüste Saudi-Arabiens. Dabei müssten gerade die Box-Historiker und Hardcore-Fans wissen, im professionellen Boxen ging es noch nie und wird es auch nie um etwas anderes als Geld gehen. Und Tyson Fury ist der beste Geschäftsmann im Boxsport. Denn am Ende werden auch die Hardcore-Box-Fans das Pay-per-View Ticket kaufen.
Früher wurde sogar ein neuer Sport erfunden, um mit dem Boxen weiterhin Geld zu machen. Nämlich Boxen auf Pferden.
Die MMA-Fans predigen schon lange den Untergang des Boxsports und freuen sich das einer aus Ihren Reihen in Francis Ngannou die Gelegenheit hat den besten Schwergewichtsboxer zu besiegen und somit endgültig den Nagel in den Sarg zu hauen. Sollte Ngannou tatsächlich gewinnen, würde das Internet vor Spot und Häme platzen. Das wichtigste aber ist, viele MMA-Fans werden ebenfalls das PPV-Ticket kaufen. In den USA kostet das an die 90 Dollar.
Die beiden Fan-Lager von MMA und Boxen zusammenzubringen, ist ein cleveres Businessmodell. Dem zum Beispiel auch der Influencer Jake Paul nachgeht. Er boxt seit ein paar Jahren alte, verbrauchte UFC Veteranen mit großer Anhängerschaft und macht sich damit einen Reibach.
Warum ist der Kampf umstritten?
Der Kampf ist zum einen bei vielen aus sportlicher Sicht umstritten, da es kein ausgeglichener Wettkampf ist, sondern nur ein Spektakel, um den Fans Geld aus der Tasche zu ziehen. Der Kampf hat sportlich für das Boxen keine Relevanz.
Auf der anderen Seite ist der Kampf umstritten, weil er von Saudi-Arabien finanziert wird. Und viele sind überzeugt, dass es sich dabei um Sports-Washing handelt. Dabei wird Saudi-Arabien vorgeworfen, dass sie durch große Sportevents wie den beschriebenen Kampf von Menschenrechtsverletzungen ablenken und ihr Image verbessern wollen. Das Land hat eine große Offensive in der Sportwelt losgetreten und kauft unter anderem auch viele bekannte Fußballstars wie Cristiano Ronaldo oder Neymar.
Auch der Kampf zwischen Tyson Fury und Oleksandr Usyk soll in Saudi-Arabien stattfinden. Und viele Experten sind sich einig, dass alle großen Schwergewichtskämpfe nur noch in Saudi stattfinden werden. Weil das Land am meisten Geld in die Hand nimmt.