Eadweard Muybridge - Urgroßvater des Bewegtbild und Mörder
Eadweard Muybridge (1830 – 1904) war einer der ersten Menschen, der mehrere Fotos hintereinander abgespielt und projiziert hat.
Ich bin über einen Kurzfilm des San Francisco Museum of Modern Art auf Eadweard Muybridge gekommen, dieser wurde mir auf YouTube vorgeschlagen. Er ist ein Pionier der Fotografie und war einer der ersten Menschen, der mehrere Fotos hintereinander abgespielt und projiziert hat, mit einer Art Projektor, den er selbst entwickelt hat. So hat er Bewegtbild und erste Animationen geschaffen, man könnte auch sagen, dass er der Urgroßvater des GIF ist. Neben der Fotografie hat er auch einen interessanten Lebenslauf, so hat er unter anderem den Liebhaber seiner Frau erschossen und ist dafür nicht verurteilt worden.
Wie relevant ist Eadweard Muybridge in Deutschland?
Der Name Eadweard Muybridge wird laut Ahrefs, in Deutschland, im Monat 500 Mal auf Google und 10 Mal auf YouTube eingetippt (Stand 10.05.2023). Im Vergleich dazu wird das Wort Fotografie 54.000 mal auf Google und 5.200 mal auf YouTube eingegeben.
Wer war Eadweard Muybridge?
Er wurde laut Wikipedia am 9. April 1830 in Kingston upon Thames, einem Stadtbezirk von London, geboren. Sein echter Name, also sein Geburtsname, war Edward James Muggeridge. Er hat sich im Laufe seines Lebens öfter umbenannt. Laut demselben Wikipedia Artikel hat er seinen Vornamen im Jahr 1882 von Edward zu Eadweard geändert und seit 1865 hat er den Nachname Muybridge verwendet. Auf einer Reise durch die spanischsprachigen Länder von Zentralamerika hat er seine Fotografie unter dem Name „Eduardo Santiago Muybridge“ vermarktet. Muy Clever!
Außerdem hat er das Pseudonym Helios (Griechischer Gott der Sonne) für seine frühen Fotografien genutzt und dann später seinem mobilen Fotostudio denselben Namen gegeben. Und auch sein einziger Sohn hat Helios im Name: Florado Helios Muybridge.
Im Alter von 20 Jahren, im Jahr 1850 ist er dann nach Amerika ausgewandert, genauer gesagt nach New York. Dort hat er Bücher aus England importiert und verkauft. Bevor er nach Amerika ausgewandert ist, hat ihm seine Oma angeboten, für seinen Lebensunterhalt in England aufzukommen. Er hat aber abgelehnt und laut Wikipedia zu seiner Oma gesagt:
„No, thank you Grandma, I'm going to make a name for myself. If I fail, you will never hear of me again.“
Eadweard zieht es dann von New York nach San Francisco, bevor er im Jahr 1860 wieder nach England zurückkehrt. Unter anderem, um sich von einer schweren Kopfverletzung zu erholen, die er sich bei einem Kutschen-Unfall zugezogen hat. Er bleibt ca. 7 Jahre in England und beschäftigt sich mit Fotografie, genauer gesagt erlernt er das Kollodium-Nassplatten-Verfahren. Dabei handelt es sich um ein früheres fotografisches Verfahren, bei dem, mithilfe einer fotografischen Kollodium-Nassplatte, durch ein Negativ-Verfahren eine Fotografie erzeugt wird. Wenn du mehr über das Verfahren wissen willst, hier der Wikipedia Artikel zur Kollodium-Nassplatte.
Eine Besonderheit des Verfahrens ist es, dass alles sehr schnell gehen muss. Deshalb mussten Reisefotografen damals eine mobile Dunkelkammer dabei haben. Und so war es auch bei Muybridge, der, wie oben bereits erwähnt, für die Entwicklung der Fotos, ein mobiles Fotostudio names „Helios' Flying Studio“ hatte.
Wofür ist Eadweard Muybridge berühmt?
Nach seiner Zeit in England, ist Muybridge im Jahr 1867 nach Amerika zurückgekehrt und hat angefangen, als Fotograf zu arbeiten. Unter anderem hat er Fotos des Yosemite-Nationalparks gemacht und diese dann später auch als Stereogramme verkauft, die man nur mithilfe eines Stereoskop anschauen konnte.
Das Prinzip dahinter nennt man Stereoskopie, dabei werden, ganz vereinfacht gesagt, zum Beispiel zwei Fotos desselben Objektes gemacht, aber aus leicht unterschiedlichen Winkeln. Spielt man diese Bilder dann ganz schnell hintereinander ab, wird der Eindruck von Tiefe vermittelt, also von drei-Dimensionalität. Wenn du mehr wissen willst, hier der Wikipedia Artikel zu Stereoskopie.
Durch seine Fotografien hat sich Muybridge einen Namen gemacht und so wird Leland Stanford auf ihn aufmerksam. Stanford war ein Industrieller und Politiker, der von 1862 bis 1863 der Gouverneur von Kalifornien war.
Auch hat er mit seiner Frau zusammen die heute berühmte Stanford Universität gegründet und aufgebaut. Stanford war außerdem ein leidenschaftlicher Rennpferd-Besitzer. Er hat den Fotografen angeheuert, um ein paar Bilder von sich, seinen Häusern und der Familie zu machen, aber vor allem um etwas zu beweisen.
Er wollte, dass Muybridge sein Rennpferd Occident in vollem Gallop fotografiert, um zu beweisen, dass bei einem Galopp, alle vier Beine eines Pferdes gleichzeitig in der Luft sind. Mit bloßem Auge konnte man das zu dieser Zeit nicht richtig sehen und schon gar nicht beweisen. Und in den meisten Zeichnungen und Malereien, wurden Pferde zu dieser Zeit immer mit einem Bein auf dem Boden gezeichnet bzw. gemalt. Und wenn es Zeichnungen gab, mit allen vieren in der Luft, waren die Beine ausgestreckt, also nach außen zeigend, vom Pferd weg.
Die Schwierigkeit war zu der Zeit, dass die Kameras eine sehr lange Belichtungszeit benötigten. Und so war das erste Bild, das Muybridge von dem Pferd geschossen hat, sehr verschwommen und eigentlich unbrauchbar. Eadweard hat aber nicht aufgegeben, sondern geforscht, wie man die Belichtungszeit verkürzen könnte und hat dann schlussendlich mehrere Kameras nebeneinander an der Rennbahn aufgebaut. Die hat er alle mit einem Draht verbunden, der die Kameras ausgelöst hat, sobald das Pferd den selbigen berührt hat. Er hat also eine Art Fernauslöser erfunden.
Und das hat dann tatsächlich auch gut funktioniert und Muybridge konnte mit der Bilderreihe beweisen, dass beim Galopp von einem Pferd, alle vier Beine in der Luft sind. Aber nicht, wenn das Pferd die Beine ausstreckt, sondern wenn alle Beine unter dem Pferdebauch sind. Das war damals eine krasse Sensation und hat Muybridge zu Fame verholfen.
Mehr dazu kannst du in diesem Artikel lesen.
Zoopraxiscope
Eadweard Muybridge hat später ein Gerät entwickelt, mit dem Name Zoopraxiscope, mit dem man mehrere Bilder nacheinander abspielen und an eine Wand projizieren konnte. Unter anderem eine Bilderreihe von einem galoppierenden Rennpferd. So hat er es geschafft, als einer der ersten Menschen, Bilder zu animieren und Bewegtbild zu schaffen. Der Zoopraxiscope ist ein wichtiger Vorgänger des Filmprojektors.
Mord am Liebhaber seiner Frau
Im Alter von 41 Jahren hat Muybridge seine Frau Flora Shallcross Stone geheiratet, sie war damals, im Jahr 1871, 21 Jahre alt. Am 4. April 1874 kam dann der gemeinsame Sohn Florado Helios Muybridge zur Welt. Laut Wikipedia hatten die beiden einen sehr unterschiedlichen Lifestyle, sie ging gerne abends aus und war sehr sozial, er dagegen war oft Unterwegs und hat geforscht und fotografiert. Sie hat dann später eine Affäre mit dem gemeinsamen Freund der beiden, Harry Larkyns angefangen. Eadweard wusste auch davon und hat mehrere Male versucht, die Affäre aufzulösen, indem er seine Frau zum Leben zu Verwandten von ihm geschickt hat.
Eines Tages hat er dann aber rausgefunden, wie ernst die Affäre war, auch weil ihm die Hebamme von seiner Frau davon erzählt und er alte Liebesbriefe der beiden gefunden hat. Außerdem hat er Beweise gefunden, dass seine Frau geglaubt hat, dass ihr bzw. sein Sohn von Harry Larkyns war. Also hat er rausgefunden, wo Harry gewohnt hat und ihm einen Besuch abgestattet. Als er ihn bei sich zu Hause getroffen hat, hat Muybridge laut Wikipedia zu ihm gesagt: „I have a message for you from my wife“ und hat ihn dann erschossen.
Daraufhin wurde er festgenommen und wegen Mordes angeklagt. Sein Auftraggeber Leland Stanford, mit dem er das mit dem Rennpferd gemacht hat, hat ihm einen sehr guten Anwalt zur Seite gestellt. Dieser hat Muybridge vor Gericht als geisteskrank dargestellt, von der Kopfverletzung, die er sich bei dem Kutschen-Unfall zugezogen hat, um einen Freispruch zu bekommen. Mehrere Bekannte von Muybridge haben damals ausgesagt, dass er sich nach dem Unfall sehr verändert hat, um das Argument zu bestärken.
Ausgerechnet Muybridge selbst, aber hat dem ganzen widersprochen und gesagt, dass er den Mord völlig bewusst und kalkuliert durchgeführt hat. Am Ende wurde er freigesprochen und nicht für Geisteskrank erklärt, wegen eines sogenannten gerechtfertigten Totschlag. Die Jury hat damals erklärt, dass sie an seiner Stelle genau so oder ähnlich gehandelt hätten und ihn deswegen nicht verurteilen konnten.
Seine Frau hat im Jahr 1875 dann zum zweiten Mal die Scheidung eingereicht, die dieses Mal auch vom Gesetz angenommen wurde. Ihr erster Versuch sich scheiden zu lassen im Jahr 1874 wurde abgelehnt. Sie starb dann im Jahr der Scheidung plötzlich, Eadweard Muybridge hat seinen Sohn einer Familie gegeben und für seinen Unterhalt bezahlt, sonst hatte er nicht viel mit ihm zutun. Sein Sohn hat sein ganzes erwachsenes Leben auf einer Farm als Helfer gearbeitet, bis er 1944 von einem Auto überfahren wurde.
Eadweard Muybridge hat noch viel, viel mehr Fotografische und Filmische Pionierarbeit geleistet, und viele Künstler inspiriert, wenn dich das Interessiert, kannst du den Artikel von Monopol lesen → Fotograf Eadweard Muybridge – Der Großvater des Gifs.
Wenn du dich mehr für die Foto-Technsiche Seite interessierst, könntest du diesen Artikel von Foto Hits mögen → Eadweard Muybridge – Left Foot Hop.
Und hier ist die Doku, die mir auf YouTube vorgeschlagen wurde:
Vielen Dank fürs Lesen!